28. April 2025 von Volker Hirt
Am Mittwoch, dem 23. April 2025, fand im Feuerwehrgerätehaus von Unterwellenborn die 9.
Sitzung des Gemeinderates Unterwellenborn statt. Es war erneut eine dieser Mammutsitzungen
mit fast 30 Tagesordnungspunkten. Das Informationsmaterial, das jedem Mitglied des
Gemeinderates zur Verfügung gestellt wurde, um sich in die relevanten Themen einzuarbeiten,
umfasste rund 400 A4-Seiten.
Eine Neuerung gab es jedoch diesmal. Es war die erste sogenannte „digitale“ Sitzung. Erstmals
mussten alle Mitglieder des Gemeinderates die Unterlagen von der Webseite der Gemeinde
Unterwellenborn herunterladen. Dadurch wurden immerhin über 4.000 Seiten Papier eingespart
(21 Ratsmitglieder x ca. 400 Seiten/Ratsmitglied geteilt durch 2, da die meisten Seiten
doppelseitig bedruckt wären = rund 4.200). Während der Sitzung hatte jeder sein Tablet oder
Laptop dabei, auf dem die Unterlagen eingesehen werden konnten. Es ging zwar noch etwas
holprig zu, aber insgesamt funktionierte es gut.
Worum ging es nun im Einzelnen?
Insgesamt standen 27 Beschlussvorlagen im öffentlichen Teil auf der Agenda. Diese umfassten:
1.
Beschlussvorlage zum Bebauungsplan „Kulmberghaus“, Abbildung 1 unten (wurde
einstimmig beschlossen)
2.
Beschlussvorlage zur Agri-Photovoltaik-Anlage zwischen Könitz, Vogelschutz,
Unterwellenborn und Kamsdorf.
Zu diesem Thema gab es sehr unterschiedliche Meinungen, von absoluter Ablehnung bis hin
zu totaler Zustimmung. Jedenfalls ist geplant, auf dem betreffenden Gebiet eine
Photovoltaikanlage von über 100 Hektar Größe zu errichten (siehe Abbildung 2 unten). Die
Beschlussvorlage wurde schließlich mit 10 Ja-Stimmen, 7 Nein-Stimmen und einer
Enthaltung angenommen.
In unserer Fraktion waren die Stimmen ebenfalls sehr geteilt. Wir haben mit 2 Ja-Stimmen, 2
Nein-Stimmen und einer Enthaltung zum Gesamtergebnis beigetragen. Ich selbst habe mit
Nein gestimmt und habe bereits in einem vorherigen Artikel ausführlicher darüber berichtet
(hier).
Jedenfalls wird der Vorentwurf des geplanten Vorhabens jetzt öffentlich in der
Gemeindeverwaltung ausgelegt, wo jeder seine Meinung einbringen kann.
3.
Danach folgten 7 Beschlussvorlagen zu Anträgen von ortsansässigen Vereinen, die um
finanzielle Unterstützung für ihre Aktivitäten baten, insbesondere zur Feier des 900-jährigen
Bestehens in Unterwellenborn, Könitz und Bucha. Insgesamt ging es um 24,5 T€. Wir als
Freie Wähler sprachen uns für die Genehmigung der Gelder aus, konnten uns jedoch nicht
durchsetzen. Alle diesbezüglichen Beschlussvorlagen wurden mehrheitlich vom Gemeinderat
abgelehnt. Unsere Fraktion versuchte noch, im Interesse der Vereine eine bessere Lösung zu
finden, konnte sich aber nicht durchsetzen.
4.
Anschließend stand die Beschlussvorlage einer „Hebesatz-Satzung“ auf der Tagesordnung.
Diese war bereits im Dezember 2024 vom Gemeinderat abgelehnt worden. Auch die letzte
Hauptausschusssitzung vom 1. April 2025 stimmte mehrheitlich dagegen. Worum geht es
konkret? Die sogenannten Hebesätze sollen bei der Grundsteuer A von 271 % auf 290 %, bei
der Grundsteuer B von 340 % auf 392 % und bei der Gewerbesteuer von 355 % auf 370 %
angehoben werden. Dies bedeutet, dass beispielsweise Grundsteuer(B)-Zahler dann etwa 15
% mehr zahlen müssen. Diese Erhöhung ist unabhängig vom festgelegten Steuermessbetrag
seitens des Finanzamtes.
Jedenfalls wurde die Satzung mit 10 Nein-Stimmen, einer Enthaltung und 5 Ja-Stimmen
abgelehnt. Unsere Fraktion war von Anfang an dagegen. Aber die Angelegenheit ist noch
nicht endgültig geklärt, da die Gemeinde Unterwellenborn momentan immer noch keinen
genehmigten Haushalt für 2025 hat.
5.
Danach standen 3 Satzungen als Beschlussvorlage auf der Agenda. 2 Satzungen zu
Sondernutzungen an öffentlichen Straßen einschließlich Gebühren und eine Satzung über die
Nutzung des Freibades Unterwellenborn. Die ersten beiden Satzungen wurden wegen
Nachbesserungsbedarfs zurückgestellt, die Freibadsatzung wurde einstimmig beschlossen.
6.
Die anschließende Beschlussvorlage wurde einstimmig beschlossen und betraf den Ersatz
eines Luftgebläses für das Freibad in Unterwellenborn.
7.
Die nächsten beiden Punkte betrafen das Saalthal-Alter, speziell die Errichtung eines
Parkdecks bzw. Parkhauses und der Uferpromenade. Um beide Projekte wird schon lange
gerungen. Jetzt beabsichtigt die Gemeinde aufgrund der finanziellen Situation, die Vorhaben
einzufrieren und die bereits erhaltenen Förderzusagen abzulehnen. Wir als Freie Wähler
haben uns bei dieser Entscheidung enthalten. Die anderen Gemeinderäte stimmten für die
Rückgabe der entsprechenden Förderbescheide. Hoffen wir, dass sich die Situation in 2-3
Jahren so weit verbessert, dass beide Investitionen durchgeführt werden können. Ich
verweise auch auf einen vorherigen Beitrag, und zwar hier.
8.
Im Anschluss gab es 2 Beschlussvorlagen zu den Kirchen in Unterwellenborn und Birkigt. In
beiden Kirchen sind Dachinstallationsarbeiten notwendig. Während für Birkigt die von der
Kirchgemeinde beantragten 2.500 € beschlossen wurden, wurde die Beschlussvorlage für die
Unterwellenborner Kirche vorerst verschoben. Die Verantwortlichen wollen dort nochmals
überprüfen, ob die Notwendigkeit zur Dachreparatur besteht.
9.
Danach folgten 4 Beschlussvorlagen zu „gemeindlichem Einvernehmen“ bezüglich
Baugenehmigungen für Erweiterungen, Neubauten, Vorbescheids-Anträge und
Nutzungsänderungen für Einfamilienhäuser bzw. bestehende Gebäude. 3 dieser 4
Beschlussvorlagen wurden einstimmig beschlossen, lediglich bei der Nutzungsänderung
eines Gebäudes in eine Flüchtlingsunterkunft wurde mehrheitlich abgelehnt.
10.
Danach stand die Maßnahme „Neugestaltung der Sport- und Freizeitanlage Hygeritz“ in
Könitz auf der Tagesordnung. Der Gemeinderat hatte in seiner Sitzung am 00.00.2023
beschlossen, diese Anlage zusammen mit dem Landratsamt SLF-RU so zu gestalten, dass
sie sowohl für den Schulsport als auch für die Öffentlichkeit genutzt werden kann.
11.
Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung vom 29.11.2023 der Vereinbarung zur Durchführung
der Gemeinschaftsmaßnahme mit dem Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt und mit Beschluss-
Nr.: 3/30/GR/23 der vorgestellten Entwurfsplanung zugestimmt.
Aufgrund der Haushaltslage in der Gemeinde Unterwellenborn wird beabsichtigt, die
Maßnahme in diesem Umfang nicht fortzuführen. Das Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt wird
jedoch nach Absprache Teile des Projektes, die für den Schulsport notwendig sind,
fortführen. Hoffen wir, dass dies auch so eintrifft. Der Gemeinderat hat diese
Beschlussvorlage mehrheitlich mit 2 Enthaltungen (diese waren von unserer Fraktion)
beschlossen.
12.
Die letzten beiden Beschlüsse betrafen erneut unsere ortsansässigen Vereine. Zum einen
geht es um die Herrichtung eines gemeindeeigenen Brunnens in Birkigt durch den SV Birkigt
e. V. in Eigenregie und zum anderen um die Aufstellung eines Containers neben dem
Sportlerheim Kamsdorf durch den TSV Zollhaus e. V. ebenfalls in Eigenregie.
Die betreffenden Beschlussvorlagen wurden beide einstimmig beschlossen.
Anschließend begann der nichtöffentliche Teil der Sitzung. Das Ende der Veranstaltung war
gegen 23 Uhr.